Gastspiel im Thalia Theater 2020

Große Freude, denn das Hamburger Thalia Theater hatte uns zu den Lessingtagen 2020 eingeladen. Vor vier Jahren waren wir schon einmal dort, mit den Heimatliedern aus Deutschland. Dieses Jahr sollte es ein Gastspiel der Zugvogelmusik sein, denn es passte hervorragend zum diesjährigen Festival: „Um alles in der Welt – Wem gehört die Welt?“ Möglich gemacht wurde unser Auftritt durch die Finanzierung vom Auswärtigen Amt.

Wir sind angerückt mit einem 33-köpfigen Ensemble aus dem Kongo, Kamerun, Spanien, Island, Estland, Wales, Nordafrika und Côte d’Ivoire, auf Wunsch von zahlreichen Zugvögeln, die sich die Musik aussuchen durften, die sie auf ihren Reisen hören und mitbringen.

Musik, Vielfalt, pralles Leben – und Verantwortung

Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sagte in seiner Begrüßung: “Wir erleben heute einen Abend der Zugvogelmusik. Wir wollen eine Brücke der Musik bauen zwischen dem Wattenmeer, den Zugvögeln des Wattenmeeres, den Ländern, die von den Zugvögeln sonst noch besucht werden, den Menschen, die dort und hier leben, der Musik, die die Zugvögel dort wie hier hören könnten, wenn sie musikalisch wären. Und so wollen wir einen ziemlich großen Ausschnitt von diesem unserem Globus hier heute spürbar werden lassen als Musik, als Freude, als Vielfalt, als pralles Leben und auch als Verantwortung.”

Standing Ovations schon vor der Pause

Das Haus war fast ausverkauft, die Stimmung von Anfang an unglaublich, bald stand das Hamburger Publikum kopf. Vor der Pause gab es Standing Ovations, und zum Schluss nicht enden wollenden Applaus und ein paar Zugaben, bevor im Mittelrang noch weitergefeiert wurde. Falk Schreiber fasste fürs Hamburger Abendblatt (kostenpflichtig) zusammen: “Die ‘Zugvogelmusik’ ist als Kulturen verbindendes Konzept ein Geniestreich.”

Das Wattenmeer – ist überlebenswichtig für Zugvögel

So bunt und begeisternd das Konzert ist, hat es auch ernste Absichten. Es informiert über die uns umgebende Natur, die nicht nur unseren Lebensraum darstellt, sondern unter anderem auch den von Millionen von Zugvögeln, die zu einem beträchtlichen Anteil längst auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen. Unsere Zugvogelmusik feiert die Schönheit der Natur, es mahnt aber auch zum rücksichtsvollen Umgang und zum Nachdenken. Die überdimensional projizierten Vogelbilder, die Soundaufnamen von Schneeammer, Heringsmöwe, Sanderling und Co. versetzen Publikum und Künstler jedesmal wieder in Demut und zugleich in Begeisterung. Das Niedersächsische Wattenmeer, seit 1992 UNESCO-Weltkulturerbe, ist für die Vögel von enorm wichtiger Bedeutung, hier tanken sie auf, hier ruhen sie auf, hier futtern sie sich voll, bevor sie abheben zu ihren Langstreckenflügen.

Die großen Umwelt- und Gerechtigkeitsfragen werden bei den Lessingtagen angesprochen

“Wenn es hier nicht gut läuft,” so Peter Südbeck, “wenn die Vögel nicht fett genug werden, haben sie keine guten Chancen beim Brutgeschäft, können nicht ausreichend Jungvögel aufziehen und so ihre Zukunft sichern. Unser Wattenmeer entscheidet daher mit, wie es den Vögeln auf dem gesamten Zugweg geht – über Tausende von Kilometern, es symbolisiert daher in unvergleichlicher Weise, was eine Welt umspannende Verantwortung bedeutet. Und das gilt natürlich für die anderen Regionen ganz genauso, hier hängt wirklich alles von allem ab und ist untrennbar – eine Welt. Wir denken, dies passt ganz wunderbar in die Ideenwelt der diesjährigen Lessingtage hier im Thaliatheater, die sich den großen Umwelt- und Gerechtigkeitsfragen im Nord-Süd-Kontext verschrieben haben – und eben den Blick schärfen wollen, diese Fragen auch aus übergreifender und eben nicht, wie lange Zeit geschehen, nur aus unserer – sagen wir zurückhaltend – nördlichen Perspektive zu betrachten.”

Danksagung

Unser großer Dank geht neben dem Auswärtigen Amt und dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer vor allem an das Thalia Theater – Ihr seid Weltklasse. Die Technik, das Licht, der Service, sogar an eine Bügelfee habt ihr gedacht. Die ganze Betreuung, die Garderoben, das Essen. Alles. Da steckt Liebe drin und jede Menge Glamour. Danke!

Alle Musiker, Länder und Zugvögel des Abends:

Leo Delest und der Verein Afrikanische Diaspora Ostfriesland (“das Afrika des Nordens”) mit Joel Gnahouru, Banhoro Abdramane, Sidibe Kassim, Moussa Diarrassouba, Konate Chaka und Moussa Fofana, alle aus Côte d’ivoire: Zwergseeschalbe

Duo Ruut, Estland, mit Katariina Kivi und Ann Lisett Rebane: Trauerente
Ragga Gröndal (Ragnheidur Gröndal und Gudmundur Petersson), Island: Schneeammer
Robert Lee Fardoe (Wales), mit David Beck: Großer Brachvogel
Mokhtar Mecchai (Nordafrika) mit Shingo Al Masuda, Miloud Messabih, Valentina Bellanova und David Beck: Heringsmöwe
Njamy Sitson aus Kamerun: Sandregenpfeifer
Wakassa aus dem Kongo mit Pierrick Nzoungani, Hemariel Mahoungoun Mbenze, Orchidey Mahoungoun Mbenze, Oua Anou Diarra, Gabriel Brudei, Soliac Matsimba und Patrick Pinda: Sanderling
Laura La Risa y Compañía mit Manuel Reina (Tanz) und José Ramirez, Carlos el Canario, Zamna Urista und Tom Auffahrt

Foto: Thalia-Intendant Joachim Lux bedankt sich nach dem Konzert hinter dem Vorhang bei allen (Jennifer Kauka)

Spenden?

Und hier noch für alle, die an das Wattenmeer spenden wollen, der Link zu den Infos.

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